55 Jahre Posaunenchor Wittichenau 2008

 

Es ist inzwischen ĂĽber ein halbes Jahrhundert vergangen, nachdem Pfarrer Kasper mit 7 jungen Männern  in Wittichenau zu blasen begann. Pfarrer Otto Kasper kam 1946, aus dem schlesischen Schönau an der Katzbach, mit seiner Familie in unsere kleine Gemeinde. Mit ihm entfaltete sich ein größeres Gemeindeleben, da er sich u.a. sehr um den Gesang, die Posaunen- sowie Instrumentalmusik bemĂĽhte.

Pfarrer Otto Kasper war der erste Posaunenpfarrer unser Landeskirche. Sein erster Posaunenchor, den er 1953 ins Leben rief, war der Chor im katholischen Wittichenau. Kurz darauf grĂĽndete er den Posaunenchor Hoyerswerda, mit dem uns Wittichenauern nicht nur ein ganzes StĂĽck Geschichte verbindet.

Damals gehörten wir noch zur Sächsischen Posaunenmission und waren Radebeul zugeordnet. Auch wenn sich die Strukturen inzwischen geändert haben und wir uns nun innerhalb einer eigenen Posaunenmission wohlfühlen dürfen, sind wir doch nach außen offen. So gab es beispielsweise regelmäßige Bläserfahrten nach Litauen, Tschechien, Rumänien..., an denen Bläser unseres Chores teilnahmen. Unsere Patengemeinde in Hatten bei Oldenburg besuchte uns bereits zu DDR-Zeiten. Gegenbesuche waren erst nach der Wende möglich. Bei einer Fahrt der Oldenburg – Hattener nach Wittichenau, mussten sie ihre Instrumente an der Staatsgrenze-DDR hinterlegen. Hier besorgten wir jedoch sofort andere Instrumente und die Freude am gemeinsamen Blasen war besonders groß.

Chorisch betätigten sich nach Pfarrer Otto Kasper: Frau Anne-Rose Schulz, Frau Pastor Jordan, seit 1967 Herr Ernst-Heinrich Scholz, seit 2008 Jana-Eva Scholz. Seit Ende der 60iger Jahre, wurden auch regelmäßig katholische Bläser ausgebildet. Oft war es ein Kommen und Gehen, die Bläserzahlen schwankten stark. Es gab jedoch immer eine blasfähige Besetzung und inzwischen sind es etwa 9 Bläser, welche regelmäßig proben. Zu den Feierlichkeiten am 2. Maiwochenende 2003 wurden etwa 60 ehemalige, eingerechnet der aktiven, Bläser eingeladen.

Heute sind wir ein ökumenischer Chor. Neben Einsätzen in der evangelischen Gemeinde blasen wir auch zu Anlässen in der katholischen Kirche oder im öffentlichen Bereich.

 

“Posaunenchor”

Der Begriff „Posaunenchor“ tauchte das erstemal in der Mitte des 18. Jahrh. in der Niederlausitz auf (Synodalbericht der Herrnhuter Brüdergemeinde). In den kleinen Gemeinden, aus Böhmen vertriebener Evangelischer, die um 1730 in der Lausitzer Gegend eine neue Heimat fanden, gab es u.a. reine Posaunen-gruppen. Diese übernahmen im täglichen Ablauf des Gemeindelebens vielfältige musikalische Aufgaben.

Eine weitere Wurzel der Posaunenarbeit liegt in Jöllenbeck, wo 1843 der erste Posaunenchor heutiger Prägung gegrĂĽndet wurde. In diesem spielten 3 Posaunen und ein Klappenhorn. 

Zu der Zeit, als im Ravensberger Land (Ostwestfalen) um 1850 eine sogenannte Erweckungsbewegung ausbrach und recht schnell viele Menschen erfasste gab es bald ein Problem, welches man heut vielleicht gern hätte. Die Kirchen wurden zu klein! Man feierte Gottesdienste im Freien, wo jedoch die Orgel fehlte. Also kam man auf den Gedanken, eine „transportable“ Orgel in Form von Blechbläsern einzusetzen. Das war dann auch die Geburtsstunde des Posaunenchores. Gründungsväter und Wegbereiter der neuen Bewegung waren die beiden Kuhlos (Vater Eduard und Sohn Johannes), beide Pastoren in der Bielefelder Gegend. Keine 40 Jahre später dominierten in den sich rasch ausbreitenden Posaunenchören zwar die Instrumente der Hornfamilie, dennoch blieb der Name „Posaunenchor“ als Gruppenbezeichnung.

Inzwischen gibt es in Deutschland etwa 7.000 Chöre mit etwa 120.000 Bläsern. Sie sind in landeskirchlichen „Posaunenwerken“ der Evangelischen Kirchen oder als Gruppen evangelischer Jugend-bünde (z.B. CVJM) organisiert. Das Besondere des Chores in Wittichenau ist die praktische Ökumene. Etwa 50 % der aktiven Bläser sind Katholiken, und musiziert wird nicht nur im evangelischen Bereich sondern auch zu katholischen Feierlichkeiten und Anlässen.

Posaunenchöre sind im ureigentlichsten Sinn Dienstgruppen von Kirchengemeinden. Dabei bildet die Ortsgemeinde den Bezugspunkt des Chores und unterstĂĽtzt die Bläser bei ihren Aufgaben. So ist das Musizieren kein Selbstzweck, sondern orientiert sich am Auftrag der Kirche – auf musikalische Weise die Frohe Botschaft zu verkĂĽnden. In diesem Sinne werden geblasene Ständchen auch nicht in Rechnung gestellt, sondern als Botschaft weitergegeben. Diese VerkĂĽndigung erfolgt durch Choräle, Choralbe-gleitungen sowie freie Bläsermusik in Form von Intraden und  Spielmusiken. Inzwischen gehören auch die populäre Musik und moderne Arrangements zum Repertoire.